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Programmplanung am waldstock
Act für Act zum grossen Bogen

Das waldstock-Line-up begeistert jedes Jahr aufs Neue. Dahinter steckt viel Arbeit, Leidenschaft und Fingerspitzengefühl. Jonas Mehr und Laura Thomann erzählen, was dazugehört und wie es nächstes Jahr weitergeht.


Act für Act zum grossen Bogen
Das waldstock begeistert Jahr für Jahr mit seiner besonderen Stimmung und dem sorgfältig zusammengestellten Programm. Dahinter steckt viel Herzblut und Leidenschaft für Musik.

Das waldstock ist in Zug ein sehr beliebter Anlass. Wie wird man zuständig für dessen Programm?

Jonas  Ich war damals in einer Lebensphase, in der mir Musik enorm wichtig war. Als ein Bandkollege für das Booking-Amt angefragt wurde, packte ich die Chance und meldete mich. Vom Booking hatte ich keine Ahnung, ich kannte nur die Perspektive des Musikers. Es war also ein absoluter Bauchentscheid. 2019 hat mich mein Vorgänger Beno ein Jahr lang eingeführt und mir alles gezeigt. Da wurde mir schnell klar, dass ich diese Aufgabe am liebsten zu zweit anpacken würde – und so habe ich Laura ins Boot geholt.

«Wir wollten das Publikum auch ein paar Mal bewusst aus der Komfortzone locken.»
Laura 

Warum wusstest du, dass Laura die Richtige ist?

Jonas  Wir kannten uns schon von anderen Projekten und teilen die gleiche Leidenschaft für Musik. Aber im Booking zählen vor allem Zuverlässigkeit und blindes Vertrauen. Diese Aufgabe war für uns beide Neuland. 

Laura, was hat dich damals dazu bewogen, Ja zu sagen?

Laura  Ich ging früher schon ganz selbstverständlich jedes Jahr ans waldstock. Meine Freundinnen und Freunde und ich waren einfach immer da. Als die Anfrage kam, fand ich es cool, von der Zuschauerin zur Macherin zu werden und selbst einen Beitrag zu leisten. Ausserdem konnte ich so mein Interesse an der Musik nochmals auf eine ganz neue Art ausleben.

Ihr habt zu Beginn gleich die Coronapandemie erwischt. Habt ihr ein Jahr umsonst gearbeitet?

Laura  Einiges war umsonst, aber wir konnten zum Glück ein paar Acts für 2021 retten. Die Absage war im ersten Moment zwar frustrierend, hat uns die Vorfreude aber nicht genommen. 2021 starteten wir mit einer kleineren waldstock-Ausgabe, was für uns als Einstieg ideal war.

Jonas und Laura geniessen das Programm, das sie zusammengestellt haben.
Jonas und Laura geniessen das Programm, das sie zusammengestellt haben.

Ihr wart beide neu im Booking. Was waren eure ersten Erkenntnisse?

Laura  Ich habe schnell die andere Perspektive kennengelernt. Als Musikerin fragte ich mich früher oft, warum wir keine Auftritte bekommen. Wenn ich jetzt aber sehe, wie viele Anfragen täglich bei uns reinkommen, verstehe ich total, dass wir unmöglich alle berücksichtigen können.
Jonas  Wir mussten uns da auch erst Schritt für Schritt einarbeiten und haben jedes Jahr viel dazugelernt. Am wichtigsten ist ohnehin die Begeisterung für die Musik – alles andere kommt dann von allein. Es geht nicht darum, die eigenen Lieblingsbands buchen zu können; es muss immer das gesamte Programm funktionieren. Je mehr Erfahrung wir sammelten, desto mehr haben wir uns um Details Gedanken gemacht, die uns am Anfang gar nicht auffielen.

Was waren das für Punkte, die euch erst später bewusst wurden?

Jonas  Wir achten heute stark darauf, das Programm nicht nur stilistisch divers zusammenzustellen. Wir wollen auch geschlechts- und kulturübergreifend buchen. Die eigenen Ansprüche steigen von Jahr zu Jahr.
Laura  Trotzdem wissen wir im Vorfeld nie zu hundert Prozent, ob am Ende alles harmoniert. Eine gute Auswahl zu kuratieren und die richtige Mischung zu finden ist definitiv die anspruchsvollere Arbeit, als einfach gute Bands aufzulisten. Ob das Programm wirklich passt, sehen wir erst auf dem Platz.

Und wie findet ihr die Bands?

Laura  Viele Bands melden sich direkt bei uns. Wir lassen uns aber auch von anderen Festivals inspirieren oder gehen selbst mit offenen Augen und Ohren an Konzerte. Was wir am Ende am Festival zeigen, ist nur ein kleiner Bruchteil von dem, was wir uns vorher alles angehört und angeschaut haben.

Wie entscheidet ihr am Ende, was ins Programm kommt?

Laura  Das gehört zum eigentlichen Kuratieren und ist der wichtigste Teil der Arbeit. Wir sammeln alle Acts, diskutieren intensiv und überlegen uns genau, wie wir einen Festivaltag aufbauen wollen.
Jonas  Diesen Bogen richtig hinzubekommen ist entscheidend. Mit der Erfahrung haben wir gelernt, welche Musikstile nacheinander gut funktionieren, damit die Stimmung über den ganzen Abend hinweg funktioniert. Aber ob unsere Pläne aufgehen, wissen wir erst nach dem Festival.

Was hat euch über die Jahre am meisten überrascht?

Jonas  Oft kamen genau die Bands am besten an, die wir im allerletzten Moment noch ins Programm genommen haben – und nicht die, die wir von Anfang an gesetzt hatten.
Laura  Wir wollten das Publikum auch ein paar Mal bewusst aus der Komfortzone locken. Im Vorfeld ist es extrem schwierig, vorherzusagen, wie das ankommt, aber diese Auftritte haben dann erstaunlich gut funktioniert.

Nach diesem waldstock übergebt ihr euer Amt. Wie geht es weiter?

Jonas  Es ist Zeit für etwas Neues. Zum Glück haben wir eine tolle Nachfolge gefunden: Laurin Staub und Damian Baumgartner übernehmen das Ruder für das waldstock-Programm 2027.
Laura  Sie haben uns beim diesjährigen Programm bereits begleitet und mitgearbeitet. Die beiden haben jetzt viel Raum für eigene Ideen. Ich bin absolut überzeugt, dass das waldstock auch in Zukunft mit einem genialen Programm überzeugen wird.

Wie entsteht das Programm für das waldstock? 

Das Fundament legen
Ab Oktober sichten Jonas und Laura die ersten Bewerbungen, durchforsten eigene Entdeckungen und schicken konkrete Anfragen an Agenturen.

Den Sack zumachen
Bis zum April steht das Line-up im Grundgerüst. Die beiden finalisieren die Verträge und tüfteln an der genauen Running Order für die Festivaltage.

Vorfreude schüren
Im Mai fliessen Bandbiografien, Fotos und Texte ins Festivalmagazin, auf die Website und in weitere Kanäle. Das ist eine wichtige Unterstützung für das Marketingteam.

Die Fäden spinnen
Im Juni und Juli regelt das Team die Details im Hintergrund. Es prüft Bühnenanweisungen, bucht Hotelzimmer und koordiniert die Logistik vor Ort.

Den Sound entfesseln
Dann folgt der grosse Moment auf Platz. Jonas und Laura koordinieren mit dem Backstage-Team und greifen im Hintergrund ein, wenn etwas ist.

Den Abschied feiern
Im September übergeben sie definitiv ans neue Team. Jonas und Laura werten das letzte Feedback aus, schliessen die Abrechnungen ab und verabschieden sich endgültig aus dem Booking-Amt.

Die zwei Kilometer langen Drahtseile wiegen mit der Bobine zwischen 60 und 80 Kilo. Dank einer cleveren Vorrichtung lässt sich das Ganze bequem zu viert tragen.
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