Vor rund 70 Jahren setzte im Kanton Zug die Diskussion um den Autobahnbau ein – und zwar mit einem Knall: Für diese Strasse zwischen Zürich und Luzern, kreuzungsfrei, richtungsgetrennt und mit mindestens zwei Spuren pro Richtung, schlug der Regierungsrat für den Zuger Abschnitt ein Trassee vor, das in Cham unter dem Schlosshügel von St. Andreas, durch den Villettepark und zum Chämberg geführt hätte. Für den umtriebigen damaligen Zuger Baudirektor Alois Hürlimann (1916–2003) war dies die kürzeste Linienführung und damit kostengünstig. Auf seiner Seite wähnte er die Chamer Bauern, denen diese südliche Variante entgegenkam, weil sie deren Kulturland verschonte. Ein zweiter Vorschlag sah vor, die Autobahn durch das Papieri-Gelände zu führen.
Opposition aus Cham
Für einen Grossteil der Chamer Bevölkerung war diese Linienführung keine Option; es formierte sich breiter Widerstand – allen voran Rolf Blum (1916–2011), der in der Papieri-Gruppe zuständig für Planung und Bauten war. In Cham leitete er die gemeindliche Baufachkommission. Als der Kantonsingenieur 1958 die geplante Linienführung vorstellte, äusserte sich Blum spontan: «Sind Sie von Sinnen?» Für ihn kamen beide Varianten nicht infrage, und er erstellte ein alternatives Vorprojekt, das die Nationalstrasse nördlicher an Cham vorbeiführen würde – es entspricht in etwa der heutigen Linienführung. Die Gemeinde Cham stand dahinter, aber der Kantonsingenieur lehnte Blums Vorschlag ab. Die Gemeinden Cham und Hünenberg wagten daraufhin die offene Auseinandersetzung mit Kanton und Bund.
Prominentes Aktionskomitee
Kanton und Cham stritten weiter. Der Einwohnerrat setzte sich für die «Reussvariante» ein, die von Ottenbach der Reuss entlang nach Gisikon führte. Unterstützung fand er 1960 in der Gemeindeversammlung: Papieri-Besitzer Robert Naville (1884–1970) reichte eine Motion ein, wonach das Siedlungs- und Wohngebiet nicht von der Nationalstrasse durchschnitten werden dürfe. Der Chamer Widerstand trug Früchte, und die Baudirektion liess als Erstes die Südvariante (Villettepark) fallen – doch an der Chämberg-Variante hielt sie fest. Davon war auch Hünenberg betroffen, und es formierte sich ein breites «Aktionskomitee für die Erhaltung des Chämbergs», präsidiert von Fritz von Schulthess (1902–1991), Schloss St. Andreas. Wiederum fanden zahlreiche Gespräche statt, 1963 sogar mit dem damaligen Bundesrat Hans-Peter Tschudi (1913–2012). Schliesslich einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Chämberg-Variante wird fallengelassen, neu verläuft die Autobahn nördlich des Chnodenwalds bei Hünenberg.
Um 1967 beginnen die Arbeiten für die Autobahn. Das erste Teilstück Gisikon–Cham wird 1974, der Abschnitt N4a/T4 zwischen Cham und Sihlbrugg 1979 eröffnet. Und 2009 schliesslich das Schlussstück Cham–Knonaueramt.