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Der Äbnetwald – Chams geschichtliche Schatztruhe

Der Äbnetwald oberhalb von Niederwil, abgelegen an der Grenze zum zürcherischen Knonau, wirkt unscheinbar, unbedeutend. Das täuscht, er ist für die Geschichte Chams und der Region eine wahre Schatzkammer.


Der Äbnetwald – Chams geschichtliche Schatztruhe

Im Grenzgebiet zwischen Cham und Knon­au wird seit Jahrzehnten Kies abgebaut. In den 1990er–Jahren wurde die Kiesgewinnung auf das Gebiet Äbnetwald ausgedehnt. Schon bald entdeckten aufmerksame Baggerführer, dass der Äbnetwald mehr als Kies enthält. Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie Zug wurde beigezogen und begleitet seither den Kiesabbau mit systematischen Rettungsgrabungen. Der Äbnetwald stellte sich als archäologisch aussergewöhnlich reichhaltig heraus. Funde und Befunde von der Steinzeit bis in die Neuzeit kamen zutage.

Das Chamer Mammut – keltisches Geld
2018 entdeckte ein Baggerfahrer in rund 20 Metern Tiefe ein Relikt aus der Altsteinzeit, einen etwa 20 cm grossen Backenzahn eines Mammuts, das vor rund 30 000 Jahren in der letzten Eiszeit die Tundra der heutigen Gemeinde Cham durchstreifte. Aus der Jungsteinzeit fanden die Archäologen Keramik, Waffen und Alltagsgegenstände, die etwa 6000 Jahre alt sind. Man fand auch über 30 Gräber aus der Spätbronzezeit mit unterschiedlichen Beigaben, wie Lebensmitteln und persönlichen Gegenständen für die letzte Reise. Damals vor rund 3000 Jahren bestand im Äbnet ein Dorf.Aus keltischer Zeit, also vor ca. 2100 Jahren, fand man im Äbnet verschiedene Münzen. Auch der Ortsname Cham stammt aus dieser Zeit, er geht auf das keltische Wort «kama» für «Dorf» zurück.

Ein grosser römischer Gebäudekomplex
2023 legte das Amt für Denkmalpflege und Archäologie Zug einen grossen römischen Gebäudekomplex mit verschiedenen Räumen und einer Fläche von ca. 500 m² frei. Grosse Mengen an Eisennägeln sprechen für eine Holzkonstruktion auf dem vorliegenden Mauerfundament. Diese Entdeckung gilt als archäologische Sensation. Noch ist nicht klar, welche Funktion dieser Monumentalbau hatte. Fragmente von Amphoren, in denen unter anderem Wein, Olivenöl und Fischsauce vom Mittelmeerraum bis zum Äbnetwald bei Cham gelangten, zeugen vom weitreichenden Handel in römischer Zeit. 

Bundesrat Hans Hürlimann (links) am 15. Oktober 1974 an der Einweihung des AUtobahnteilstücks Gisikon-Cham. Neben ihm der Zuger Regierungsrat Bonaventura Iten, dann der Luzerner Baudirektor Karl Kennel und rechts aussen der Zuger Baudirektor Alois Hürlimann. Archivbild Rupy Enzler
Bundesrat Hans Hürlimann (links) am 15. Oktober 1974 an der Einweihung des AUtobahnteilstücks Gisikon-Cham. Neben ihm der Zuger Regierungsrat Bonaventura Iten, dann der Luzerner Baudirektor Karl Kennel und rechts aussen der Zuger Baudirektor Alois Hürlimann. Archivbild Rupy Enzler
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Gräber und Schmuck aus dem 9. Jahrhundert
858 ist der Name Cham zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Ludwig der Deutsche, Enkel von Karl dem Grossen, schenkte das Gebiet von Cham an das Fraumünster in Zürich, wo seine Tochter Äbtissin war. Auch aus dieser Zeit fand man im Äbnet Relikte, drei Gräber und eine Emailscheibenfibel von ca. 5,3 Zentimeter Durchmesser, die einer wohl sozial höher gestellten Person gehört hat, die sich im 10. Jahrhundert in der Nähe des Hofs Cham aufhielt, der damals ein Verwaltungszentrum war, das über eine Kanzlei verfügte.

Der Äbnet wird zum Waldgebiet
Im 14. Jh. finden wir den ersten Beleg, dass der Äbnet nun bewaldet ist. Auf der Gyger-Karte von 1667 ist der Äbnet als dicht bewaldetes Gebiet dargestellt. Auch die Dufour-karte (1845/64) zeigt den Äbnet als Waldgebiet. Der archäologische Schatz war darunter verborgen. Die Mauern des römischen Gebäudes waren teilweise an der Oberfläche sichtbar. Passanten haben sie wohl für die Überreste eines unbedeutenden verfallenen landwirtschaftlichen Gebäudes gehalten.

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