Darauf ging es voran. Schon im Dezember genehmigte die Gemeindeversammlung Planungskredite für zwei neue Schulhäuser im Kirchbühl auf dem sogenannten Zündhölzliberg und in Hagendorn.
Den Architekturwettbewerb für das Kirchbühl gewann das Zürcher Büro Knell & Hässig. Wegen des 1. Weltkriegs herrschte ein Mangel an Material und Arbeitern. Trotzdem wurde das Gebäude in gut zwei Jahren hochgezogen und am 13. Mai 1917 bei prächtigem Wetter mit einem Festgottesdienst und einem farbigen Festumzug mit etwa 2000 Besuchenden feierlich eingeweiht. Das neue Schulhaus umfasste laut Baubericht 14 Unterrichtszimmer und einen grosszügigen Singsaal und bot 648 Schulkindern Platz. Es kostete rund 621 000 Franken, 35% mehr als budgetiert. Der Kanton übernahm 196 000 Franken.
Bis 1959 gingen alle Kinder aus dem Dorf im Kirchbühl zur Schule, dann erhielt das Gebiet östlich der Lorze mit dem Städtli ein eigenes Schulhaus. 1974 schliesslich zog die Oberstufe ins Schulhaus Röhrliberg.
1977/78 wurde das Schulhaus für 2,85 Mio. Franken saniert und innen umgebaut. 2017 feierten die Kinder im Kirchbühl den 100. Geburtstag ihres Schulhauses. Sie erlebten in einer Projektwoche unter anderem, wie sich Schule vor 100 Jahren anfühlte.
Ein typisches Schulhaus seiner Zeit
Das neue Schulhaus erhielt den Leitspruch «Der Eltern Liebe, der Kinder Vorwärtsstreben erbaut dies’ Haus; der Kinder Fleiss, ihr braves Lernen, schmück’ es aus». Es trohnt bis heute auf dem sogenannten Zündhölzliberg und ist über zwei Treppen erreichbar, gleichsam als Symbol dafür, dass man zur Bildung hochsteigen und sich für sie anstrengen muss. Der Lohn ist der persönliche Aufstieg. Diesen Gedanken spiegelte auch die damalige Sitzordnung in den Schulzimmern wider. Vorne rechts vom Katheder, dem Lehrerpult, aus gesehen, sass das leistungsstärkste Kind, hinten links das leistungsschwächste.
Cham war mächtig stolz auf das neue Schulhaus. Gemeindepräsident Bernhard Baumgartner bezeichnete es als das weitherum schönste und modernste Schulhaus, das bis nach Zürich und Luzern seinesgleichen suche. Ein auswärts lebender Chamer Bürger bezeichnete das Kirchbühl als wahren «Schulpalast» und monierte, dass man für Arme wie ihn kein Gehör habe.
Kunst am Bau … ein neckisches Äffchen sorgte für Aufregung
Ida Schär-Krause (1877 – 1957) schuf den künstlerischen Schmuck. Am Hauptportal, gekrönt vom Chomer Bär, setzte sie eine vielsagende Schar von Figuren ein. An der rechten Seite neben der Tür ist ein Äffchen mit einem Schulbuch unter dem Arm und einem Apfel in der Hand abgebildet. Die Baukommission sah darin eine unangebrachte Parodie Mensch/Affe. Schär entgegnete, dass das Äffchen unverzichtbarer Bestandteil des Bildprogramms sei. Der Adler stehe für die hohe Begabung, die Nüsse knackenden Eichhörnchen für den Fleiss, die Eule für Weisheit und Gedankentiefe, und die Bedeutung des Affen erläuterte die Künstlerin mit den Worten: «Das Äffchen, das sein Schulbuch unter dem Arm fast vergisst über dem Genuss des Apfels und das mitleidig lachend auf die zwei ängstlichen kleinen Mädchen herabsieht, die rechts unten sich nur zögernd in die Schule zu gehen getrauen, stellt das heitere Temperament dar.» Der kleine Affe durfte bleiben.