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Gartekafi
Vom Jugendtraum zum lebendigen ­Dorftreff

Für Auswärtige ein Geheimtipp – für die Einwohner:innen von Hagendorn ein beliebter Treffpunkt ausserhalb der eigenen vier Wände: das «Gartekafi» in Rumentikon, mit dem sich Karin Werder zusammen mit ihrem Mann Marco Castiglioni einen Jugendtraum erfüllt hat. Eine Entdeckungsreise.


Vom Jugendtraum  zum lebendigen ­Dorftreff
Inhaber Manfred Bucher (Rechts) im Trio mit seiner Tochter Melanie (Mitte) und einer Stammgästin

Ein früher Donnerstagnachmittag im Mai. Auf dem sonnenbeschienenen Kiesplatz vor dem verglasten Wintergarten ist schon richtig was los: Mütter mit zufriedenen Babys in der Babytrage plaudern entspannt und geniessen den Stopp auf ihrem Nachmittagsspaziergang. Inzwischen versuchen Kleinkinder, eins der vier frei laufenden Hühner zu streicheln, die gackernd unter die Tische flüchten. Grosse Sonnenschirme warten auf wärmere Tage. Im Schatten der prächtigen Linde ist auf der grossen gemähten Wiese jederzeit reichlich Platz zum Toben. Ein Seniorenpaar ist auf einen Kaffee hängen geblieben. Vielleicht haben sie diese grüne Oase entdeckt, als sie über den Wanderweg kamen, der von Cham aus in Richtung Frauental führt. Auch Radler erspähen diesen friedlichen Ort eher zufällig beim Vorbeifahren. Eine dezente Tafel an der Hauptstrasse ist der einzige Hinweis auf dieses Paradies. Eine Nachbarin aus dem Dorf nutzt, an einem Ecktisch sitzend, die Ruhe für einen kreativen Moment: Sie fädelt kleine Perlen zu kunstvollen Armbändern auf. Und mittendrin wirbelt Karin Werder von Tisch zu Tisch und sorgt dafür, dass es allen wohl ist.


Vom Jugendtraum zum Dorftreff
Mit ihrem «Gartekafi», das im August 2023 erst einmal im Probelauf eröffnet wurde, haben sich Karin Werder und ihr Mann Marco Castiglioni einen Traum erfüllt. «Schon als Jugendliche, wenn ich bei meinen Grosseltern war, habe ich davon geträumt, unter der alten Linde Gäste zu bewirten. Ich habe sogar schon die Wasserkrüge und Gläser auf den Tischen gesehen, die heute bei uns immer bereitstehen», erinnert sich Karin an ihre Vision. 
Der Traum rückte näher, als die gebürtige Hagendornerin ins Dorf zurückkehrte und mit ihrer Familie das Haus der Grosseltern bezog. Als mit der letzten Beiz auch der letzte Ort für Austausch im Ort verschwand, entschlossen sie sich, neben dem Beruf als Oberstufenlehrer den Versuch zu wagen. «Wir möchten diesen besonderen Platz mit anderen teilen», erklärt Marco ihre Motivation, «und wir mögen beide gern Menschen.» Das merkt man sofort, wenn man die beiden beobachtet: ein strahlendes Lächeln zur Begrüssung und immer wieder Zeit für einen zugewandten Schwatz. Viele Gäste sind Freunde geworden, im Dorf sind neue Kontakte entstanden. Der Start ist also geglückt, inzwischen ist das «Gartenkafi» in der dritten Saison zu einem beliebten Dorftreff geworden.

Bei schlechtem Wetter wird das «Kafi» kurzerhand nach drinnen verlegt.
Bei schlechtem Wetter wird das «Kafi» kurzerhand nach drinnen verlegt.

Mit Liebe zum Detail
Mit den wenigen nötigen Bewilligungen ausgestattet, konnten die beiden direkt loslegen. Der separate Wintergarten, der früher für Familienfeiern genutzt wurde, war ideal: eine kleine Gaststube, die bei schlechter Witterung für rund 20 Gäste Platz bietet. Hier wurden mit einfachen Mitteln eine Theke und die Kaffeebar eingerichtet. Kleine Mokkatassen und alte Saucieren, von einer Freundin der Familie liebevoll mit Garten- und Wiesenblumen besteckt, schaffen ein besonderes Flair, ebenso wie das alte Geschirr aus Grosis Zeiten, mit und ohne Goldrand. Der Kiesplatz vor dem Wintergarten und die Lounge nebenan, die die Verbindung zum Nutzgarten herstellt, entstanden im Jahr darauf. Hier ist noch einmal Platz für gut 20 bis 30 Gäste. Die Tische sind schon eingedeckt: Mit cremeweissen Tischtüchern, verschiedenen Porzellankrügen und -kannen mit Wasser und den typischen Gartenkafi-Gläsern mit ihrem Logo heissen sie neue Gäste willkommen.


Süsses aus eigener Herstellung
Drinnen auf einem erhöhten Tisch vor der Theke richtet Karin ihre gluschtigen Leckereien an – alles selbst gemacht. Hier kommen Karin das Flair für Gastro und ihre Routine als Hauswirtschaftslehrerin zugute. Wenn immer möglich, verarbeitet sie jeweils am Mittwochnachmittag, was der Garten hergibt oder was sie von lokalen Betrieben in der Umgebung beziehen kann: Fruchtwähe, Schoggikuchen und Gipfeli vom benachbarten Huobhof. Besonders beliebt sind die feinen, grossen Amaretti. «Die macht niemand so gut wie Marco», lobt Karin und füllt die Etagere wieder auf, nachdem gerade eine Gruppe Primarschülerinnen zugeschlagen hat. «Chasches bim Mami uf d’ Rechnig schriibe…,» sagt eine selbstbewusst. Ja dann …

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Ein tolles Team: Karin und Marco kümmern sich gern gemeinsam um ihre Gäste

Gemeinsames Projekt
Da das «Gartekafi» nur donnerstags geöffnet ist, ist auch Marco aktiv mit im Einsatz. Routiniert kümmert er sich um den feinen Kaffee, selbstverständlich auch mit geschäumter Milch. «So was hat man drauf, nach gefühlten 2000 Cappuccini», kommentiert er lachend, während er locker aus dem Handgelenk ein weisses Blatt aus Milchschaum auf die Kaffee-Oberfläche zaubert. Und verbreitet nebenbei einen Hauch von Italianità, passend zu seinen Wurzeln.
Italienische Gastfreundschaft hat auch das Spezialangebot im «Gartekafi» inspiriert: den italienischen Apéro, der immer am letzten Donnerstag im Monat auf der Agenda steht. Dann sind Gäste sogar bis 20 Uhr willkommen. Marco erklärt das Besondere daran: «Wir pflegen gern Grosszügigkeit, wie sie in Italien üblich ist. An diesem Abend reichen wir zu den Getränken immer kostenlose Kleinigkeiten zum Knabbern.» Daneben wird das Angebot um Salziges erweitert: italienische Plättli mit Fleisch und Käse und Spezialitäten aus der Umgebung. Hausgemacht und möglichst lokal, das ist ihr Credo.

Offen für Neues
Karin und Marco sind sehr zufrieden mit dem einen Tag pro Woche, den sie zwischen Ostern und Oktober ihr Gartenlokal führen. «Zum Glück sind unsere beiden Kinder so gern in der Kita. Sie würden gern jetzt schon helfen, wenn wir Gäste haben», beschreibt Karin die ­aktuelle Situation. Nach den Sommerferien kommt die Ältere in den Kindergarten, dann stehen erste Veränderungen an.
Dass Karin und Marco auch so die Ideen nicht ausgehen, zeigt ein Blick zurück: Im Februar, also nicht wirklich in der Gartensaison, haben rund 200 Gäste in bester Feierlaune den Garten für ein Fasi-Treffen gestürmt. Ende Mai haben sie eine Weindegustation angeboten, zusammen mit einem Weinbauern aus Niederwil. Angebote, die spontan aus dem Netzwerk entstehen, liegen Karin besonders am Herzen. «Im vergangenen Jahr hatten wir einen ‹Kreativmärt› bei uns im Garten. Es war wunderbar, wie sich die Arbeit verteilt hat.» Sie stellte Platz zur Verfügung, machte online Werbung und sorgte für das leibliche Wohl. Den Rest übernahm jemand anders. So konnten Hagendorner Kreative ihre Handwerkskunst zeigen. «Es ist so vieles möglich!»
Im Moment gibt die Familie den Takt vor – deshalb gibt es im Juli und August auch eine Sommerpause. Aber wer weiss, was den beiden noch alles in den Sinn kommt, wenn die Kinder grösser werden…

 

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