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Er baute cham – und ging selbst unter

Hans Miesch (1880–1941) war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Bauunternehmer, der in Cham bedeutende Objekte sowohl plante wie auch realisierte.


Er baute Cham – und ging selbst unter
Luzernerstrasse 17, erbaut 1912

Mit der 1866 gegründeten Anglo-Swiss Condensed Milk Company beginnt für das verschlafene Dorf Cham eine Phase tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen. Die industrielle Milchverarbeitung zieht Arbeitskräfte an und verlangt nach zeitgemässer Infrastruktur. In diesem Umfeld entfaltet der Baumeister und Architekt Hans Miesch seine Tätigkeit.

Bauen auf Vorrat
Hans Miesch kommt am 24. Juni 1880 in Titterten BL zur Welt. Seine berufliche Laufbahn führt ihn 1903 nach Cham, wo er am 
1. November die Kollektivgesellschaft Miesch & Cie. gründet und an der Rigistrasse eine Werkhalle errichtet. Kaum ein Jahr in Cham, baut er an der Hünenbergerstrasse 16–22 vier Häuser. Seine Architektur ist vom Jugend- und Heimatstil geprägt, was gut ankommt – auch heute noch. Doch Miesch geht dabei auch ein unternehmerisches Risiko ein: Er, der zugezogene Baumeister, baut die Häuser auf Vorrat und verkauft sie erst später. Das klappt – meistens.

Miesch baut Morgarten-Denkmal
1905 erhält Miesch einen Auftrag von der Gemeinde: den Bau der Turnhalle gleich neben dem Gemeindehaus. Es folgt ein Prestigebau: Ein Initiativkomitee vergibt den Bau des Morgarten-Denkmals in Oberägeri an Miesch. Statt 65 000 Franken kostet es 85 000 Franken; Miesch muss die Mehrkosten selbst berappen. Aber er plant und baut weiter: das «Bründlerhaus» an der Luzernerstrasse 45, die Poststrasse 7 (beide 1907), das Seebad
im Hirsgarten, die Poststrasse 13/15 (beide 1908), die Bauarbeiten für das Asyl (1909), das Restaurant Laube/Bahnhof, die Poststrasse 3, heute Apotheke Anklin (beide 1910).

Poststrasse 3, erbaut 1910
Poststrasse 3, erbaut 1910
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Das bittere Ende
Wenig deutet darauf hin, dass es mit Miesch in den kommenden Jahren wirtschaftlich bergab gehen wird. Noch 1911 wird er für die Freisinnigen in den Kantonsrat gewählt. 1912 erhält er den Zuschlag für die Erd- und Maurerarbeiten der Erweiterung des Land- und forstwirtschaftlichen Instituts der ETH Zürich. Er plant und baut das Haus Luzernerstrasse 17, in welches die Post einzieht. Mit der Zürcher Bauunternehmung Locher & Cie. realisiert er die Erweiterung der Fabrik für die Papiermaschine 3.

Und dann das Ende: Mitte August 1913 teilt die Baufirma Hans Miesch u. Co. mit, dass es ihr an den nötigen Barmitteln fehle. Im November wird der Konkurs eröffnet. Es folgen juristische Auseinandersetzungen und im Juni 1915 wird ihm «betrügerischer, leichtsinniger Bankrott» vorgeworfen. Miesch setzt sich nach Aus­tralien ab und bleibt verschollen. 1941 wird bekannt, dass er im Alter von 61 Jahren verstorben ist. Persönliches wie auch ein Bild von ihm existieren nicht.

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Restaurant Bahnhof (früherer Name: Laube), erbaut 1910
Restaurant Bahnhof (früherer Name: Laube), erbaut 1910