«Die Feuerwehr faszinierte mich schon als Kind.» In der «Bärenstube», dem Aufenthaltsraum im oberen Stock des Feuerwehrgebäudes, ist es ruhig. Ausser uns ist mitten am Nachmittag niemand da. Simon Meisser hat in diesem Gebäude schon viele Stunden verbracht; zuerst als Mitglied der Feuerwehr, später als Angestellter.
Wann die Begeisterung in ihm anfing zu lodern, weiss er nicht genau. Doch an einen Zwischenfall während seiner Schulzeit kann er sich gut erinnern: «Einmal brannte in einem Haus gegenüber dem Städtli-Schulhaus ein Fernseher. Die ganze Klasse hing am Zaun und schaute staunend den Löscharbeiten zu.» Dass er seine Leidenschaft vor 17 Jahren zum Beruf machte, ist kein Zufall, wie seine Geschichte zeigt.
Fahrzeuge und Gerätschaften
Simons Begeisterung für die Feuerwehr und früher auch das Militär galt vor allem der eingesetzten Technik sowie den Gerätschaften. «Ich holte mir oft technische Reglemente im Zeughaus in Zug und las sie durch, wie andere in die Bibliothek gingen.» Mit 16 fand Simon heraus, dass er theoretisch bereits in die Feuerwehr hätte aufgenommen werden können. «Ich besuchte den Informationsanlass und fragte einfach nach.» Doch er erhielt eine klare Absage: Er sei noch zu jung. Dasselbe ein Jahr später – er musste sich etwas gedulden. Erst mit 18 wurde er aufgenommen. «Das würde ich heute mit einem 16-Jährigen genauso machen, aber fragen kann man ja», sagt Simon lachend.
«Ich holte mir oft technische Reglemente im Zeughaus und las sie durch, wie andere in die Bibliothek gingen.»
Materialchef Runde ein
Eine Jugendfeuerwehr gab es damals schon. «Das war nichts für mich; zu viel Vogelhäuschenbauen für meinen Geschmack. Für so etwas ging ich bereits in die Jubla.» Basteln, bauen, im Wald herumstreifen – als Kind konnte sich Simon mit seiner Jungwacht-Gruppe ausreichend austoben. Später wurde er Leiter und übernahm selbst eine Gruppe. «Ich liess meinen Leiterkollegen bald ein wenig im Stich, um Materialchef zu werden.» Ein passendes Amt für den technisch interessierten Jugendlichen.
Als es Zeit für die Berufswahl war, musste Simon nicht lange überlegen: «Ich machte es einfach meinem Kollegen nach und lernte Landmaschinenmechaniker.» Schon während der Schulzeit verbrachten sie zusammen viele Mittwochnachmittage beim Bircher in Hagendorn. Die Arbeit gefiel ihm gut. Die Ausbildung absolvierte er bei Wismer Landtechnik in Sihlbrugg. «Bei der Berufswahl schielte ich bereits mit einem Auge zum Materialwart.» Für Simon ging mit seiner Anstellung somit ein Traum in Erfüllung. «Das Beste ist, dass ich in Cham bleiben konnte. Andere Materialchefs, die ich kenne, mussten die Feuerwehr wechseln. In ihrer angestammten Gemeinde war eben keine Stelle frei.»
Das Familienheim
Heute wohnt der dreifache Familienvater mit seiner Frau Selina und den Kindern in Hagendorn. «Hagendorn City», wie er es lachend nennt. Was ihn dorthin führte? «Eine coole Frau, natürlich», antwortet Simon schmunzelnd. Mit 21 hatte er im Militär einen Unfall; er verletzte sich den Rücken schwer. Zur Genesung musste er vor allem liegen und brauchte deshalb Unterstützung im Alltag. «Meine Eltern waren damals gerade in den Ferien. Sie konnten nicht helfen. Da schlugen die Eltern meiner heutigen Frau vor, dass ich bei ihnen bleibe.» Über die Jahre verbrachte Simon immer mehr Zeit in Hagendorn. Nach einiger Zeit bezog er mit Selina die Dachwohnung im Haus der heutigen Schwiegereltern. «Seither wohnten wir immer im selben Haus. Wir wechselten einfach einige Male das Stockwerk.» Später konnte das junge Ehepaar das Haus übernehmen. Wie geht es weiter? «Im Moment passt es so, wie es ist.» Simon kümmert sich um das Material, die Gerätschaften, die Bekleidung und die Fahrzeuge der Feuerwehr. So trägt er viel zur Sicherheit in Cham bei. Ausserdem lernt er als Feuerwehrmann immer wieder Menschen kennen, mit denen er sonst keinen Kontakt hätte. «Es entstehen lebenslange Freundschaften und spannende Austausche.» Ob er in ein paar Jahren dann doch noch eine Veränderung braucht, lässt er offen.
Simon Meisser wünscht sich im nächsten Chomer Bär ein Gespräch mit Bruno Birrer.