Während wir überlegen, welche Weichen wir 2026 stellen wollen, hat einer das Thema so gründlich durchleuchtet wie kaum ein anderer: Satiriker, Politikwissenschaftler und Ennetseeler Michael Elsener. Drei Jahre lang hat er erforscht, warum gute Entscheidungen so schwerfallen und wie sie trotzdem gelingen. Seine Erkenntnisse packt er auf humorvolle Art in seine neue Comedy-Show GUTE ENTSCHEIDUNG!, deren Premiere im Januar 2026 stattfindet. Zum Jahreswechsel wollten wir wissen, was wir hier in der Region daraus mitnehmen können.
Michael, du nutzt Humor, um politische Mechanismen sichtbar zu machen. Gibt es ein Beispiel, bei dem erst der Witz geholfen hat, eine Sachlage richtig zu verstehen?
Das passiert oft. Eine gute Pointe schält heraus, was sonst verschwommen bleibt. Am Bahnhof kam einmal eine 16-Jährige auf mich zu und sagte: «Diese Figur Parmelin, die Sie spielen, ist so witzig.» Zwei Wochen später merkte sie: Den gibt es ja wirklich. Danach schickte sie mir Selfies, wie sie Wirtschaftsnews mit Bundesrat Parmelin liest.
Was hat dich dazu veranlasst, dich mit dem Thema Entscheidungen zu beschäftigen? Hattest du Mühe, auf Netflix den passenden Film zu finden?
(lacht) Das kenne ich. Zu viel Auswahl und zu wenig Zucker im Blut sind keine guten Voraussetzungen. Die Motivation für die neue Show war ernster: Ich sehe, wie schwer es mir, meinem Umfeld und auch vielen Politikerinnen und Politikern fällt, Entscheidungen zu treffen. 55 Prozent der Menschen in diesem Land entscheiden sich sogar gar nicht und bleiben den Abstimmungen fern. Wenn unsere Demokratie bestehen will, müssen wir wieder ins Entscheiden kommen. Weil Politik im Alltag beginnt, wollte ich herausfinden, mit welchen Kniffs wir im eigenen Leben leichter entscheiden können.
Du hast bei der Vorbereitung für dein neues Programm viel Zeit in der Wandelhalle in Bern verbracht. Wie fällen unsere Politiker Entscheide?
Ich war pro Session einmal im Bundeshaus. Mich hat überrascht, wie dicht und stressig dieser Alltag ist. Stress führt dazu, dass der Körper mehr Cortisol ausschüttet, was Entscheidungen impulsiver und emotionaler macht. Keine ideale Voraussetzung für langfristige Entscheide. Wer sehen will, wie turbulent das abläuft: In meiner Show parodiere ich den gesamten Bundesrat, auch unseren Zuger Bundesrat Martin Pfister.
Was muss sich ändern, damit sich wieder mehr Menschen fürs Mitmachen in der Demokratie begeistern?
Politik wirkt oft trocken und schwer. Mit «Gute Entscheidung!» zeige ich, dass sie auch leicht und lustig sein kann. Ich will vermitteln, dass wir dank unserer Demokratie gemeinsam entscheiden, wie wir zusammenleben wollen. Ich zeige das Politische im Persönlichen und lasse das Publikum über die Zukunft einzelner Menschen im Saal entscheiden. An diesem Abend merkt man: Politik macht Spass.
Wenn wir uns Ende 2026 noch einmal unterhalten würden: Woran würdest du erkennen, dass wir als Region ein paar richtig gute Entscheidungen getroffen haben?
Wenn wir im Alltag häufiger lächeln. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr finde ich ideal. Alles wirkt ruhiger. Wenn wir uns nicht mit zu vielen Essen überladen, können wir durchatmen. Studien zeigen: Schon tiefes Atmen hilft beim Entscheiden. Das geht überall. Für mich ist es deshalb eine gute Entscheidung, an der Bushaltestelle nicht ins Smartphone zu schauen, sondern fünfmal tief durchzuatmen und dann zu entscheiden, wen aus meinem Freundeskreis ich diese Woche mit etwas Kleinem überrasche.
Hier ist Michael mit seinem Programm «Gute Entscheidung!» 2026 zu sehen:
28. Februar: Casino Zug
12. bis 14. März: Kleintheater Luzern
2. April: Küssnacht am Rigi
2. Mai: Hünenberg (ZG)
30. Mai: Unterägeri (ZG)Gewinnspiel: Die Redaktion verlost 2 × 2 Tickets für die Vorstellung in Hünenberg.
Sende bis zum 13. Januar eine E-Mail mit dem Betreff «Elsener» an wettbewerb@chomerbaer.ch. Viel Glück!