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Swing Classic Big Band
Im Schwung des Swing

Swing bewegt bis heute – wortwörtlich. Wenn die Swing Classic Big Band spielt, schwingen die Beine. Doch hinter der ausgelassenen Konzertstimmung  steckt viel Arbeit und Vorbereitung, wie Walter Stauffacher im Interview verrät.


Im Schwung des Swing

In einer Zeit von Streaming und Playlists wirkt eine Big Band fast aus der Zeit gefallen. Was hält eure Band lebendig?

Es stimmt: Big Bands hatten ihre grosse Zeit in den 30er- und 40er-Jahren. Damals und bis in die 70er-Jahre unterhielt sogar das Radio DRS – heute SRF – eine eigene Live-Big-Band. Irgendwann wurde das zu teuer und zu aufwendig, viele Formationen verschwanden. Aber genau deshalb ist es so schön, zu sehen, dass Live-Musik wieder mehr geschätzt wird. Mit dem Lindy-Hop-Tanzen erlebt der Swing sogar eine Renaissance. Und wenn an einem Abend die Musik passt, die Leute berührt und Freude bereitet – dann ist das einfach grossartig.

Damit die grosse Freude aufkommt, braucht es mehr als nur den Auftritt. Was gehört alles dazu?

Der Montagabend ist für alle gesetzt. Wir treffen uns jede Woche im Spritzenhäuschen und proben zwei Stunden konzentriert. Jedes der 17 Mitglieder trägt seinen Teil bei: Ohne Vorbereitung läuft es nicht. Urban Küng, unser Bandleader, ist unser Trainer: Er hört, wo etwas nicht stimmt, setzt die Akzente und führt uns durch neue Stücke. So entsteht aus vielen einzelnen Stimmen der gemeinsame Sound, den das Publikum später spürt.

Der Bandleader scheint eine zentrale Rolle zu spielen. Was bedeutet das für euch konkret – über die Proben hinaus?

Er ist unser Profi. Während wir alle als Amateurmusiker spielen, bringt er das Fachwissen und die Erfahrung ein, die eine Big Band braucht. Er sorgt dafür, dass der Ablauf bei Auftritten stimmt und die Stücke richtig gesetzt sind. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe – und deshalb ein bezahlter Job.

«Wichtig ist, dass der Sound stimmt.»

Mit dem Bandleader ist es nicht getan. Welche weiteren Kostenpunkte fallen in einer Big Band an? 

Ein weiterer Kostenpunkt sind zum Beispiel die Noten. Ein einziges Stück kostet etwa 80 bis 200 Franken. Dazu braucht es Technik, Tenue und die ganze Infrastruktur. Wir versuchen, diese Kosten mit unseren Auftritten zu decken. Ohne diese Einnahmen wäre es kaum möglich, eine Band in dieser Grösse lebendig zu halten.

Am Montagabend bei den Proben im Spritzenhäuschen kommen die einzelenen Stimmen zum  gemeinsamen Sound zusammen.
Am Montagabend bei den Proben im Spritzenhäuschen kommen die einzelenen Stimmen zum gemeinsamen Sound zusammen.

Weshalb sind die Noten ein so grosser Kostenpunkt?

Ein Stück besteht nicht nur aus einer Melodie, sondern aus einem kompletten Satz mit allen Instrumenten und Stimmen. Der Bandleader verfügt zusätzlich über eine Partitur, in der er alle Stimmen im Blick hat. Solche Arrangements sind natürlich nicht gratis. Zum Glück können wir zwischendurch auch auf unser Archiv zurückgreifen und Stücke wieder aufnehmen, die wir früher schon einmal gespielt haben.

Und wie wählt ihr die Stücke aus?

Dafür gibt es unsere Musikkommission: vier Band­mitglieder und den Bandleader. Wir entscheiden, welche neuen Stücke ins Repertoire kommen, welche wir aussortieren und welche wir aus dem Archiv wieder aufnehmen. Den Vorschlag besprechen wir in der ganzen Band. Dabei zählt nicht nur unser eigener Geschmack, sondern auch, was beim Publikum ankommt und wie sich ein Konzert sinnvoll aufbauen lässt.

Auftritte sind für euch nicht nur musikalische Höhepunkte, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle. Wie gelingt es euch, an solche Engagements zu kommen?

Das ist unterschiedlich. Einige Anfragen kommen über die Website und landen bei mir als Präsident. Andere entstehen über die Kontakte von Bandmitgliedern. Meistens erreichen uns die Anfragen frühzeitig, sodass wir genug Zeit haben, uns abzustimmen. Es gab aber auch schon spannende Angebote, die wir ablehnen mussten, weil zu viele Leute am gewünschten Datum verhindert waren. Auftritte für die Big Band zu generieren ist und bleibt jedoch eine Herausforderung. Für diesen Frühling sind wir noch auf der Suche.

Und was passiert, wenn jemand kurzfristig ausfällt?

Dann suchen wir eine Ersatzperson. Viele von uns spielen auch in anderen Formationen und kennen dadurch zahlreiche Musikerinnen und Musiker. Manchmal engagieren wir auch einen Profi dazu. Wichtig ist, dass der Sound stimmt – dem Publikum wollen wir immer ein tolles Konzert bieten.

Wie bist du zur Band gekommen – und wie wurdest du Präsident?
Vor rund sieben Jahren bin ich eingesprungen. Meine Frau spielt Saxofon in der Band, und der damalige Schlagzeuger hatte aufgehört. Also sprang ich ein – und blieb. Kaum ein Jahr später bat man mich, das Präsidium zu übernehmen. Für mich war klar: Wenn man Teil einer Band ist, packt man auch mit an. Sechs Jahre lang hatte ich dieses Amt inne. Ende letztes Jahr konnte ich es an Robert Schürch übergeben. Jetzt freue ich mich darauf, mich wieder ganz auf das Musikalische zu konzentrieren.

Die Swiss Classic Big Band gibt vier bis fünf Konzerte  im Jahr. Mit den Einnahmen aus diesen Auftritten deckt  die Band anfallende Kosten.
Die Swiss Classic Big Band gibt vier bis fünf Konzerte im Jahr. Mit den Einnahmen aus diesen Auftritten deckt die Band anfallende Kosten.

Was steckt hinter einem Auftritt der Swing Classic Big Band?

Im Groove bleiben – Proben
Jeden Montagabend trifft sich die Band im Spritzenhäuschen. Zwei Stunden konzentriertes Zusammenspiel, Vorbereitung und Feinschliff durch den Bandleader sind die Basis für den Sound.

Der richtige Drive – Repertoire festlegen
Ein- bis zweimal im Jahr bestimmt die vierköpfige Musikkommission das Programm. Sie achtet auf eine ausgewogene Mischung von Rhythmen und Tempi. Für Stücke, die nicht im Archiv vorhanden sind, werden neue Notensätze gekauft.

Timing ist alles – Auftritte koordinieren
Ziel sind vier bis fünf Konzerte pro Jahr. Anfragen kommen über die Website oder über Kontakte der Bandmitglieder. Gemeinsam prüft die Band, ob alle 17 Musikerinnen und Musiker verfügbar sind – manchmal müssen Anfragen auch abgelehnt werden.

Swingt weiter – Ersatz organisieren
Jede Stimme ist wichtig. Fällt jemand aus, springt eine Ersatzperson ein. Das grosse Netzwerk der Musikerinnen und Musiker hilft dabei; notfalls wird ein Profi engagiert.

Alles im Takt – Vorbereitung am Konzerttag
Am Konzerttag sorgt jede und jeder für das eigene Material: Dämpfer, Tenue, Beleuchtung. Fahrgemeinschaften werden gebildet, Instrumente und Technik eingeladen.

Let it swing – Konzert spielen
Vor Ort bleibt Zeit zum Aufstellen, Einspielen und Prüfen der Verstärkung. In einer letzten Kontrolle werden die Noten geordnet – dann kann es losgehen. Wenn die Musik läuft, die Leute sich freuen und die Stimmung passt, haben sich die vielen Probenstunden gelohnt.

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