Der Kalanderbau ist weit mehr als ein normales Gebäude in der Papieri. Er ist ein vielschichtiger Komplex, ein bauliches Tagebuch, das über mehr als ein Jahrhundert hinweg fortgeschrieben wurde. Und genau diese stetige Veränderung ist das, was seine besondere Identität ausmacht.
Ein Bau im stetigen Wachstum
Seinen Ursprung nahm der Kalanderbau im Jahr 1910. Damals diente er der Papierproduktion – ausgestattet mit grossen Maschinen, Verpackungsanlagen und zahlreichen Arbeitsplätzen. Stillstand war nie Teil seiner Geschichte: Bereits 1912 wurde er erweitert. Weitere Ausbauten folgten 1918 und danach in regelmässigen Abständen über Jahrzehnte hinweg. Produktionshallen, Rampengebäude und schliesslich das Verwaltungsgebäude im Osten ergänzten den ursprünglichen Bau. Mit dem grosszügigen Chamersaal und der Aufstockung im Jahr 1965 erhielt der Komplex ein neues Gesicht. Unterschiedliche Baustile und Zeitschichten überlagerten sich über die Jahre – und wuchsen dennoch zu einem stimmigen Ganzen zusammen.
Diese Entwicklung war kein Zufall, sondern Ausdruck einer klaren DNA: Der Kalanderbau wurde nie als fertiges Objekt verstanden, sondern als Struktur im Wandel. Die Papierfabrik verfügte über eine eigene Bauabteilung, plante, lagerte und baute laufend weiter. So entstand über die Jahre ein dichtes Geflecht aus Nutzungen – von anfänglich zwei Dritteln Produktion und einem Drittel Büro hin zu einem zunehmend administrativ geprägten Standort. Ab 2028 steht der nächste Schritt an: Rund ein Drittel bleibt der gewerblichen Nutzung vorenthalten und wird neu mit zwei Dritteln Wohnen ergänzt.
Bewahren, was trägt – erneuern, was fehlt
Mit der aktuellen Planung wird diese Geschichte konsequent weitergeschrieben. In enger Abstimmung mit der kantonalen Denkmalpflege wurde festgelegt, was erhalten bleibt und was sich verändern darf. Der historische Kalandersaal etwa bleibt als zentrales Element bestehen. Eine grosszügige Raumhöhe und hohe Tragfähigkeit ermöglichen vielfältige Nutzungen.
Anders verhält es sich bei späteren Eingriffen: Die Aufstockungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind architektonisch wenig anspruchsvoll und sind heute baufällig. Ihr Ersatz ist daher nicht nur architektonisch sinnvoll, sondern auch denkmalpflegerisch abgestützt.
Ein spannendes Detail kam während der Planung im zweiten Obergeschoss zum Vorschein: Dort wurde ein älteres Dach entdeckt, auf dem später ein zusätzliches Geschoss errichtet wurde. Dies zeigt eindrücklich, wie sich die Schichten der Zeit im Gebäude selbst eingeschrieben haben. Dieses Dach wird wieder freigelegt und wird dadurch zukünftig im Innenraum erlebbar.
Die Aufstockung orientiert sich an bestehenden Linien, etwa an der Dachkante des Rampengebäudes. Gleichzeitig entstehen durch die gezielte Weiterentwicklung der Aufstockung rund fünf zusätzliche Wohnungen. Moderne Elemente wie eine integrierte Photovoltaikanlage fügen sich dabei zurückhaltend ins Gesamtbild ein.So wird der Kalanderbau erneut transformiert, nicht als radikaler Neubeginn, sondern als präzise Weiterentwicklung eines historischen Bestands. Alt und Neu treten in einen Dialog, der die Papieri weiter prägt und belebt.
Am Ende steht die Erkenntnis: Der Kalanderbau ist kein statisches Denkmal. Er ist ein lebendiges, denkmalgeschütztes Bijou, dessen Wert gerade in seiner Wandelbarkeit liegt. Was einst Produktionsstätte war, wird nun zum Wohn- und Arbeitsort und bleibt ein unverzichtbarer Teil der Identität der Papieri.