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Ohne Gras, kein Spass

Ein Selbstversuch auf dem Golfplatz Holzhäusern und warum beim perfekten Abschlag Rasen fliegen muss.


Ohne Gras,  kein Spass

Erste Begegnung
Die menorquinische Sonne brennt auf unsere Nacken, wir schwitzen und haben nur ein Ziel: Bälle schlagen. Weit. Dieser Hotelgolfplatz ist mein erster Kontakt mit dem Golfsport und ich gehe mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen an die Sache. Beim Minigolf war ich schliesslich bisher ganz passabel unterwegs. Verkrampft umklammere ich den Schläger, hole aus und ziehe durch. Ein dumpfer Schlag, eine unangenehme Vibration in den Händen. Der Ball fliegt flach, kaum zwanzig Meter weit. Kein Vergleich zum Nachbarn neben mir, der scheinbar mühelos einen Ball nach dem anderen in eleganten Bögen auf die Driving Range befördert. Auch nach Dutzenden weiteren Schlägen fliegen die Bälle nicht viel weiter. So habe ich mir das nicht vorgestellt.

Golf-Mythen
Vielleicht geht’s euch wie mir: Golf ist doch ein Luxussport mit Mitgliedsbeiträgen, für die man sich auch einen Kleinwagen leisten könnte. Lange hielt mich genau dieses Bild davon ab, selbst einen Fuss auf einen Golfplatz zu setzen. Doch die Neugier war stärker. Ich will wissen: Wie viel Wahrheit steckt in den Vorurteilen und steckt vielleicht trotz meiner schwierigen ersten Begegnung sogar ein Golfprofi in mir?

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Rasen, Regeln, Regionalität
Vor dem modernen Eingangsbereich der Golfarena im Golfpark Holzhäusern empfängt mich Peter Kälin, genannt «Pit». Der ehemalige Elektroplaner entdeckte seine Liebe zum Golf durch Zufall. Heute ist er Golfparkleiter. Mit dem Golfcart holpert er mit mir über die Anlage. Erster Stopp: Loch 9 der Pilatusanlage. Pit erklärt mir die verschiedenen Rasenarten auf einem Golfplatz und wie hoch sie geschnitten werden. Green (3–5mm), Fairway (10–16 mm), Semi-Rough (30–50 mm), Rough (ab 50 mm), alles auf den Millimeter genau gepflegt. Anfangs brauchte es viel Überzeugungsarbeit, um vom Kanton die Bewilligung für diese Projekt zu erhalten. Heute ist die Anlage ein fester Bestandteil der Region. Die Anlage besteht zu je einem Drittel aus Spielfläche, Ökofläche und Ausgleichsfläche. «Ökologisch vergleichbar mit einem Bauernbetrieb, wenn nicht sogar wertvoller», meint Pit. Möglich wurde das Projekt nur durch die Kooperation mit 13 Landwirten, die der Migros Golf AG ihre Parzellen verpachten.

Technik trifft Handwerk
In einer unscheinbaren Halle warten Dutzende Rasenmäher, jeder auf eine andere Schnitthöhe justiert. Zwei Mechaniker halten einen umfangreichen Maschinenpark am Laufen und bauen fehlende Ersatzteile notfalls selbst. 
Am Zugersee-Kurs, bei Loch 18, begegnen wir mehreren Greenkeepern. Unverkennbar in roten Shirts, überwachen sie die Arbeit von Mährobotern, die Fairways und Semi-Roughs millimetergenau trimmen. Ob die Roboter Arbeitsplätze gefährden? Pit winkt ab: «Die Monotonie übernehmen die Maschinen, wir kümmern uns um die wichtigen Details.» Eine Einstellung, die mir gefällt: Technischer Fortschritt sollte den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. 

Alt trifft Neu: Das neue Golfrestaurant neben dem  ehemaligen Wäschehaus, heute Clubhaus
Alt trifft Neu: Das neue Golfrestaurant neben dem ehemaligen Wäschehaus, heute Clubhaus
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Migros macht’s möglich
Warum galt Golf so lange als elitäre Sportart? Ursprünglich war es in Schottland ein Volkssport. Durch die Verbreitung in Adelskreisen und exklusive Clubs mit strenger Etikette wurde es zum Statussymbol. In der Schweiz tut der hohe Flächenbedarf sein Übriges. Genau hier setzt «Golf für alle» an, ein Konzept der Migros Golf AG, das 1995 im Golfpark Holzhäusern begann. Keine teure Clubmitgliedschaft, keine Barrieren. Die Zahl der Golfer in der Schweiz hat sich seither fast verdoppelt, von 65 000 auf 105 000.

Aber was kostet’s?
Zurück bei der Golfarena. Auf dem Putting Green übt eine Gruppe Kinder das Einlochen. Über 100 von ihnen haben sich diesen Sommer für einen Ferienkurs angemeldet. Pit führt mich in die Caddiehalle. Dort stelle ich die alles entscheidende Frage: «Was muss ich investieren, um hier mit dem Golfspiel zu starten?» Rund 1500 Franken, meint Pit, inklusive Kurs zur Platzreife, fünf Schlägern, Golftasche, Schuhen und einer Mitgliedschaft bei Migros GolfCard. Kein Schnäppchen, aber auch kein unerreichbarer Luxus.

Mit Schwung
Jetzt wird’s ernst. Pit verabschiedet sich, stattdessen übernimmt Thore Stelljes. Der «Teaching Pro» ist Experte im Vermitteln der richtigen Technik, geduldig, präzise und hat stets einen guten Spruch auf Lager. Wir stehen auf dem oberen Deck der Driving Range. Thore zeigt mir, wie Loft (Winkel), Länge und Gewicht der Schläger zusammenspielen. Schritt für Schritt leitet er mich an meinen Schwung heran. Locker bleiben. Aus der Hüfte rotieren. Und wichtig: kurz vor dem Ball den Boden berühren. Nur so lässt sich die Energie korrekt auf den Ball übertragen. Unter Thores Anweisungen fliegen die Bälle wesentlich weiter als in meinen kläglichen ersten Versuchen. 

Abschlag mit Aussicht:  Die Driving Range
Abschlag mit Aussicht: Die Driving Range

Präzision auf dem Grün
Über eine Aussentreppe erreichen wir das Putting Green. Hier wird etwa 40 % der Spielzeit verbracht und spätestens jetzt zahlt sich meine Minigolf-Erfahrung aus. Fast. Denn anders als dort gibt es hier keine Hindernisse, denen man die Schuld geben kann. Präzision ist gefragt und taktisches Denken. «Ab einer gewissen Distanz versucht man nicht direkt zu lochen», erklärt Thore, «man spielt sich heran und locht dann im zweiten Schlag ein.» Wer eine Stunde joggt, hat eine Stunde trainiert. Beim Golf hingegen kommen in derselben Zeit oft nur wenige Minuten echter Action zusammen. Deshalb brauche es im Golf viel Übung. 

Der erste Platzversuch
Es ist Zeit, das Gelernte auf dem Platz zu testen. Wir stehen an einem Par-3-Loch der Rigi-Anlage, ein Profi braucht hier drei Schläge bis zum Einlochen. Mein Ziel: maximal sechs, was dem Handicap eines Einsteigers entspricht. Ich stelle mich an der gelben Markierung auf, nehme das Pitching Wedge zur Hand. Probeschwung. Ein saftiger Fetzen Gras fliegt durch die Luft. Ich starre entsetzt auf das Loch im Rasen. «Ganz normal», beruhigt mich Thore. «Ohne Gras kein Spass.» Jetzt heisst es: Konzentration. Ich schwinge durch. Der Ball fliegt im hohen Bogen, landet kurz vor dem Green. Vier Schläge später liegt er im Loch.

Mehr als ein Klischee
Der Autodidakt in mir muss klein beigeben: Thores Lektionen haben mein Spiel tatsächlich verbessert. Und dieses satte «Klack», wenn der Ball perfekt getroffen wurde, macht glücklich. Die heutige Erfahrung hat mich überrascht. Nicht elitär, sondern erstaunlich zugänglich. Jetzt, wo ich weiss, dass man nicht zwingend eine teure Mitgliedschaft braucht, kommt mir ein Gedanke, der mir bei meinen ersten Versuchen vor ein paar Wochen noch absurd erschienen wäre: Vielleicht hole ich mir doch die Platzreife.

Wer Profi-Golf hautnah erleben möchte: Vom 11. bis 13. September 2025 gastiert das VP Bank Swiss Ladies Open im Golfpark Holzhäusern. Kommt vorbei.

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