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Nationale Ruderregatta Cham
Peter Diehm zieht seine Linie durch

Lange vor dem ersten Startschuss der Nationalen Ruderregatta Cham ist Peter Diehm bereits am Werk. Er ist zuständig für die Rennstrecke: vier lange Reihen von Bojen, die nur während der Regatta erscheinen und das Wasser in gerade Linien teilen.


Peter Diehm zieht seine Linie durch

Peter, du bist zuständig für den Aufbau der Rennstrecke für die Nationale Ruderregatta Cham. Wie bist du zu diesem Amt gekommen?

Vor zehn Jahren kündigte mein Vorgänger an, dass er das Amt abgeben wolle. Da ich damals bereits nicht mehr arbeitete und gerne Zeit auf dem Wasser verbringe, übernahm ich die Aufgabe gerne. Die Übergabe verlief dann allerdings ziemlich abrupt – ich musste vieles selbst herausfinden.

Also fand keine richtige Übergabe statt?

Eigentlich wollten wir die Strecke gemeinsam aufbauen. Doch nachdem wir die erste Bahn gesetzt hatten, verabschiedete er sich einfach. Bei der zweiten merkten wir dann, dass ein Seil zu kurz war – das Ganze war ein Murks. Zum Glück sprangen Vereinskollegen ein, und am Ende standen alle Bahnen rechtzeitig.

Das war vermutlich nicht die letzte Überraschung.

(Lacht) Nein, natürlich nicht. Fast jedes Jahr passiert etwas, das nicht nach Plan läuft – Kisten, die sich als unpraktisch erweisen, Material, das aus Versehen falsch versorgt wurde, Schnüre, die sich trotz Aufwickeln wieder lösen und verknoten, oder Bojen, die plötzlich keine Luft mehr haben oder sich bei starkem Wind verabschieden. Da braucht es Erfindergeist und handwerkliches Geschick. Bislang haben wir im Streckenbau-Team aber jede Herausforderung gemeistert.

Klingt, als würdet ihr gut zusammenspielen.

Absolut. Ich bin zwar für die Umsetzung verantwortlich, aber ich mache das nicht allein. Wenn wir zum Beispiel die Motorboote für die Arbeiten bereit machen, sind wir zu zweit unterwegs: Eine Person holt die Boote aus dem Lager, während ich sie vom Segelclub zum Ruderclub fahre. In dieser Zeit wird das zweite Boot geholt. So schaffen wir in ein paar Stunden, wofür man sonst einen ganzen Tag bräuchte.

Bereits zwei Wochen vor dem ersten Rennen beginnt der Aufbau der Rennstrecke. Trotz Hindernissen und Herausforderungen stand bislang die Strecke immer vor dem Startschuss.
Bereits zwei Wochen vor dem ersten Rennen beginnt der Aufbau der Rennstrecke. Trotz Hindernissen und Herausforderungen stand bislang die Strecke immer vor dem Startschuss.

Findest du immer genug Helferinnen und Helfer? 

Zu meiner grossen Freude war das noch nie ein Problem. Der Aufbau beginnt schon zwei Wochen vor der Regatta, und vieles passiert tagsüber. Zum Glück kann ich dabei auf ein eingespieltes Team zählen.
Der Abbau geht schneller: Das meiste erledigen wir gleich am Sonntagabend nach dem letzten Rennen. Dann helfen mir die Athletinnen und Athleten vom Ruderclub Cham. Dank der guten Stimmung ist der Streckenabbau eine beliebte Aufgabe.

Sind die Athletinnen und Athleten nach einem intensiven Regattawochenende nicht müde? 

Doch natürlich. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir zügig vorankommen. Ich versuche, die Arbeit so einfach wie möglich zu machen. So macht sie auch müden Leuten noch Freude. Nach jeder Regatta gehe ich alles durch und plane die Verbesserungen fürs nächste Jahr.

Was wäre so eine Verbesserung? 

Die Bojen hängen an einem unter Wasser liegenden Kabel. Für die Lagerung wird dieses Kabel auf eine Bobine gerollt. Zwei Kilometer Kabel plus Bobine ergeben schnell 60 bis 80 Kilo. Damit wir das Ganze zu viert auch auf einem wackligen Boot sicher tragen können, habe ich Stangen angebracht. Solche Details erleichtern die Arbeit enorm – und dann helfen die Leute auch gerne mit.

Welche Verbesserung hast du für dieses Jahr geplant?

Die Bojen sind mit einer Schnur am Drahtseil befestigt. Diese Schnüre müssen beim Abräumen aufgewickelt werden. Doch meistens fallen sie wieder auseinander und verknoten sich in der Box. Dazu kommt, dass die feuchten Schnüre im Lager oft zusammenkleben und man sie mühsam voneinander lösen muss. Ich habe eine kleine Vorrichtung im Kopf, die das Aufwickeln erleichtern soll – damit die Schnüre sauber verstaut sind und wir beim nächsten Aufbau schneller vorankommen.

Wie Seit zehn Jahren tüftelst du am Streckenbau herum. Der Ablauf ist schon fast perfekt. Wird es nicht langweilig?
Überhaupt nicht. Es gibt immer etwas, das man verbessern kann – kleine Details, die den Aufbau erleichtern oder den Abbau schneller machen. Genau das macht mir Freude. Und jedes Jahr bringt neue Bedingungen mit sich: anderes Wetter, anderes Material, andere Herausforderungen. Ausserdem arbeite ich gerne auf dem Wasser. Das gehört für mich einfach dazu. Solange ich das noch machen kann, bleibe ich dran.

Wie die Rennstrecke für die Nationale Ruderregatta Cham entsteht

Material sichten und startklar machen
Lange vor dem ersten Rennen nimmt Peter das gesamte Material unter die Lupe. Er prüft, ob die Bojen dicht sind, die Drahtseile stabil und die Materialkisten in gutem Zustand. Beschädigtes ersetzt er rechtzeitig, damit das Bauteam ohne Verzögerung loslegen kann.

Motorboote bereitstellen
Ein grosser Teil der Arbeit findet auf dem Wasser statt. Dafür braucht es die passenden Motorboote. Rund zwei Wochen vor der Regatta werden sie eingewassert und einsatzbereit gemacht. Damit alles zügig geht, bekommt Peter Unterstützung. So spart das Team wertvolle Zeit.

Leinen legen, Bojen setzen
Sind die Boote vor Ort und das Material bereit, beginnt der eigentliche Streckenbau. Zuerst werden die zwei Kilometer langen Drahtseile an der Zielverankerung montiert. Danach rollt das Bauteam die Seile ab und befestigt im Abstand von 25 Metern die Bojen an den Schnüren. Am Schluss wird das Drahtseil nachgespannt, damit die Strecke schnurgerade bleibt.

Strecke abbauen – bis spät in die Nacht
Nach dem letzten Rennen rückt ein Team von rund sechs Personen aus. Die Bojen wandern in Kisten, die Drahtseile werden aufgerollt, Markierungen entfernt und die Motorboote zurückgebracht. Oft dauern die Arbeiten bis in die Nacht. Wenn das Wichtigste erledigt ist, bleibt Zeit für ein gemeinsames Feierabendbier.

Prüfen, verbessern, dokumentieren
Nach der Regatta ist vor der Regatta. Bevor alles für ein Jahr verstaut wird, kontrolliert Peter das Material auf Schäden und Schwachstellen. Er holt Rück­meldungen ein, plant Optimierungen und hält alles fest – damit er im nächsten Jahr genau weiss, wo er ansetzen kann.

Die zwei Kilometer langen Drahtseile wiegen mit der Bobine zwischen 60 und 80 Kilo. Dank einer cleveren Vorrichtung lässt sich das Ganze bequem zu viert tragen.
Die zwei Kilometer langen Drahtseile wiegen mit der Bobine zwischen 60 und 80 Kilo. Dank einer cleveren Vorrichtung lässt sich das Ganze bequem zu viert tragen.
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